„Holz ist nicht gleich Holz.“ Mit diesen Worten brachte der Leiter der Niederlassungsstelle im ecopark, Lars Flöttmann, im Gespräch auf den Punkt, worauf es bei der täglichen Arbeit des Betriebs ankommt: Qualität, Fachwissen und Sorgfalt. Bei einem Besuch vor Ort machte sich Bürgermeister Michael Fischer zusammen mit dem Leiter des Hauptamts der Gemeinde Emstek, Stefan Büssing, sowie dem Geschäftsführer des ecoparks, Uwe Haring, selbst ein Bild von der Arbeit dieses Unternehmens und tauschte sich mit Herrn Flöttmann über die Entwicklung des Unternehmens sowie die Herausforderungen der Holzbranche aus.
Den Grundstein für das Unternehmen legte Hans-Hinrich Lohse im Jahr 1975 mit der Gründung der Hans-Hinrich Lohse GmbH. Seither bezieht das Unternehmen „Holz aus aller Welt“, unter anderem aus Nordamerika, Malaysia, dem Kongo und Slowenien.
Die Niederlassung in Emstek dient dabei als Lagerstandort, an dem die unterschiedlichen Holzarten fachgerecht gelagert und für den Kunden bereitgehalten werden. Den Ausschlag für die Erweiterung des Unternehmens im niedersächsischen Raum gab vor allem die fehlende Präsenz einer vergleichbaren Holzhandlung in der Region. Mit dem neuen Standort wurde eine wichtige Anlaufstelle geschaffen, um die Nachfrage nach hochwertigen Hölzern auch im norddeutschen Raum besser bedienen zu können.
Dass eine Niederlassung in Niedersachsen entstehen sollte, stand somit bereits fest. Die Entscheidung für den konkreten Standort in Emstek war jedoch zunächst nicht eindeutig. Rückblickend zeigt sich Flöttmann überzeugt von der Wahl und betont, froh darüber zu sein, die Niederlassung hier eröffnet zu haben. Ausschlaggebend seien dabei sowohl die guten Rahmenbedingungen des Standorts als auch die großzügigen Flächen, die den künftigen Ausbau des Standorts ermöglichen.
Derzeit sind an diesem Standort fünf Mitarbeiter beschäftigt. Ein Ausbau ist geplant, verzögert sich allerdings aufgrund der derzeit schlechten Auftragslage. Der Standort wurde während des Ukraine-Krieges in Betrieb genommen. Seitdem habe sich die Lage in der Baubranche spürbar verändert, berichtet Flöttmann. Nach seiner Einschätzung werde deutlich weniger gebaut, was sich auch in einer geringeren Auftragslage widerspiegele. Während die Gemeinde Emstek von vollen Wartelisten in ihren Baugebieten berichtet, sei die Marktlage aus Sicht des Niederlassungsleiters deutlich zurückhaltender. Auch wenn er den Ausbau des Lagerstandorts gerne bereits weiter vorangetrieben hätte, blickt er weiterhin optimistisch nach vorn und zeigt sich zuversichtlich, dass sich die Marktbedingungen wieder verbessern werden.
Zum Kundenkreis der Hans-Hinrich Lohse GmbH zählen in erster Linie Unternehmen aus dem Treppen- und Fensterbau. Flöttmann hebt hervor, dass das Unternehmen seinen Schwerpunkt nicht auf den Wettbewerb über den Preis oder ein möglichst breites Sortiment legt. Stattdessen stehe der Servicegedanke im Mittelpunkt. Die Hans-Hinrich Lohse GmbH unterstütze ihre Kunden mit individuellen Lösungen und gehe dabei bewusst einen Schritt weiter als viele andere Anbieter. So werde das Holz bereits nach den jeweiligen Anforderungen vorverarbeitet und für den weiteren Einsatz vorbereitet.
Deutlich wurde während des Besuchs neben dem Unternehmerischen vor allem Flöttmanns große Fachkenntnis rund um Holz. Mit viel Hintergrundwissen erläuterte der Niederlassungsleiter die Besonderheiten verschiedener Holzarten und vermittelte den Gästen einen anschaulichen Eindruck von der Vielfalt, den Eigenschaften und den Qualitätsunterschieden des Naturmaterials.
Die Verwaltungsspitze aus Emstek interessiert sich jedoch nicht nur für Strukturen, Abläufe und Prozesse der örtlichen Unternehmen. Für sie ist es auch von besonderer Bedeutung, von Herausforderungen und Problemen, aber auch von Wünschen und Verbesserungsvorschlägen der Verwaltung und Politik zu erfahren, da nur so das Miteinander von Gemeinde und Unternehmen stetig verbessert werden kann – denn wie sagte einst der Dichter Johann Wolfgang von Goethe: „Man gewinnt immer, wenn man erfährt, was andere von uns denken“.
Aus diesem Grund wollten sie im Rahmen ihres Besuches von dem Leiter der Niederlassungsstelle wissen, welche Herausforderungen er in seinem Geschäftsbereich sieht und was er sich seitens der Gemeinde Emstek wünschen würde:
Frage 1: Wie ist die Situation in Eurer Branche aktuell? Was ist momentan ein großer Vorteil und was ein Nachteil?
„Durch die sehr träge Bautätigkeit ist die Situation herausfordernd. Einer unserer Vorteile ist sicherlich die Eigenständigkeit und die Bereitschaft sich auch selber stets zu entwickeln. Der gravierendste Nachteil ist die Schnelllebigkeit und die angespannte politische Gemengelage. Dies führt zu explodierenden Seefrachten, steigende Energiekosten und Wareneinstandspreisen, die immer schneller an die Kunden weitergegeben werden müssen.“
Frage 2: Vor welchen Herausforderungen wird Euer Unternehmen in den nächsten 5 Jahren stehen?
„Wie, wann und mit welchen Forderungen bzw. Folgen kommt das Lieferkettengesetz (EUDR)?
Auch die Themen qualifizierte Mitarbeitende, Digitalisierung, Automatisierung sowie Elektrifizierung werden die nächsten Jahre prägen“
Frage 3: Was verbindet Euer Unternehmen und Euch persönlich mit der Gemeinde Emstek?
„Um ehrlich zu sein, bis 2022 nicht viel. Aus unserer Sicht war es der ideale Standort für unsere Weiterentwicklung des Liefergebiets. Mittlerweile ist es natürlich anders. Wir sind gekommen um zu bleiben und wurden direkt von Tag Eins sehr gut von der Gemeinde aber vor allem dem ecopark-Verwaltungsteam um Herrn Haring als auch von den Nachbarn aufgenommen. Die gegenseitige Unterstützung und der Dialog im ecopark imponiert mir sehr.“
Frage 4: Was erwartet Ihr von Politik und Verwaltung der Gemeinde Emstek?
„Unterstützung bei offenen Fragen und das die Zukunftsthemen die uns alle momentan beschäftigen auch in der Gemeinde umgesetzt werden.“
Frage 5: Ihr habt einen Wunsch frei: Was würdet Ihr in Deutschland einführen, abschaffen oder verändern?
„Überarbeiten, anpassen, optimieren wären wahrscheinlich eher unsere Wünsche. Aktuelle Gesetze in die Gegebenheiten der Gegenwart transformieren und dabei die Digitale-Welt nicht vergessen. Die aktuellen Herausforderungen müssen nicht nur bestimmt und benannt sondern auch angegangen und umgesetzt werden, wie es diverse Versprechungen dazu gab.
Foto v. l.: Bürgermeister Michael Fischer, Lars Flöttmann, Uwe Haring, Stefan Büssing
Text/Foto: Averbeck